Über Jahre ist der Freundeskreis geschrumpft. Die “flüchtigen Bekanntschaften”, die man früher gepflegt hatte, sind ebenfalls verflogen und nun sind alle noch verbliebenen Bekannten & Freunde in Partnerschaften unterwegs. Ebenso wie es bei mir gewesen zu sein scheint, treffen diese sich vorzugsweise mit anderen Pärchen oder verbringen ihre Abende zu zweit. Die paar Bekannten, die noch oder wieder single sind, können natürlich auch nicht jeden Abend, den man mal raus möchte oder Gesellschaft braucht, einem beistehen. So kam bei mir relativ schnell der Entschluss auf, neue Menschen kennenzulernen.

Wie und wo?

Nun ja. Die Menschen in OWL sollen nicht gerade die offensten Menschen sein. Angeblich gestaltet es sich schwer, hier Menschen kennenzulernen und in ein Gespräch zu verwickeln. Dieses Gefühl hatte ich mit Anfang 20 ebenfalls. Die Leute liefen hauptsächlich mit ihren Gruppen herum, und einfach dazustellen und “N’Abend” einwerfen kam nie so wirklich gut an.

Aber aufgrund fehlender Alternativen habe ich den Entschluss gefasst, es einfach wieder auszuprobieren und hier in der Gegend “auf die Piste zu gehen”. Und ich muss sagen: Es hat sich viel geändert. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Menschen nach/während Corona und den dazugehörigen Einschränkungen irgendwie die vergangene Zeit “kompensieren” müssen, ob ich mich im Vergleich zu meinen 20ern so stark verändert habe oder ob es einfach am Alter liegt. Aber sobald ich in eine der örtlichen Lokalitäten komme, dauert es vielleicht 5 Minuten, bis ich in der ersten Unterhaltung mit einer meist vollkommen fremden Person bin. Zu Anfang bin ich noch darauf bedacht gewesen, mindestens einen Kollegen / Freund mitzunehmen, wenn ich ausging. Mittlerweile gehe ich auch einfach auf gut Glück mal alleine aus.

Beim Vorbeigehen oder am Tisch nebendran etwas Interessantes aufgeschnappt? Einfach mal mitlachen/lächeln oder die Leute ansprechen. Kurz eine Bestätigung oder ein Gegenargument einwerfen und ein Gespräch beginnt meistens sehr schnell. Hierbei scheint es auch egal zu sein, um was für eine Personengruppe es sich dabei handelt: Frauen, Männer, Freunde, die am Kartenspielen sind, oder auch Leute, die ebenfalls alleine vor Ort zu sein scheinen.

Ich habe festgestellt, wenn man mit einem freundlichen Lächeln und offen auf die Menschen zugeht, kommt meist ebenfalls etwas Freundliches zurück.

Flüchtige Bekanntschaft?

Mit meinem besten Freund, quasi eine Art Lebenspartner, habe ich über dieses Thema ebenfalls gesprochen. Er brachte aber die Bedenken hervor, dass dies alles nur flüchtige Kontakte seien. Also für den Abend ein paar Sätze gewechselt und kein Start einer interessanten Bekanntschaft oder gar Freundschaft.

Hier widersprach ich ihm, bevor ich wirklich auf Erfahrungswerte zurückgreifen konnte. Mittlerweile sind meine ersten Abende solo auf der Piste schon einige Wochen her. Und ich muss sagen: Ich scheine auf die eine oder andere Art recht gehabt zu haben bzw. ihn widerlegen zu können.

In einer Diskothek in der benachbarten “Stadt” habe ich im November eine Gruppe junger Menschen kennengelernt. Genau genommen bin ich mit einem von ihnen bei einer Raucherpause ins Gespräch gekommen, und er nahm mich, als er merkte, ich bin alleine vor Ort, einfach mal mit zu seiner Gruppe, um gemeinsam ein Bierchen zu trinken und die Unterhaltung fortzuführen.

Kurz darauf entstand eine sehr angenehme Gruppendynamik und alle 6 Personen dieser Gruppe waren in eine angeregte Unterhaltung mit mir verwickelt. Wir sprachen über alles Mögliche: Warum ich alleine unterwegs bin, welcher Beschäftigung man nachgeht, wie man Corona bisher erlebt hat, etc. etc.

Mit zwei Personen dieser Gruppe verstand ich mich besonders gut. Sie sind beide ca. 26 Jahre alt, also ein wenig jünger als ich. Bevor der Abend zu Ende ging, hatten wir natürlich einmal Kontaktdaten ausgetauscht. Und es dauerte nicht lange, bis sich einer der beiden bei mir in der folgenden Woche meldete, ob ich nicht Lust habe, bei einer geselligen Runde von ihm und Freunden, die ich bis dahin noch nicht kannte, teilzunehmen. Erfreut über das Angebot nahm ich natürlich dankend an.

Ich traf die beiden Jungs aus der Diskothek 3-mal im Laufe der folgenden 3 Wochen. Beim 4ten Mal waren sie mit ihrer “eingeschworenen” Gruppe unterwegs.

Und ich war absolut überrascht und ein wenig geschmeichelt, als sie mich an diesem Abend fragten, ob ich nicht mit in den Urlaub kommen wolle. Einer der Jungs hatte über die Familie eine Wohnung in Spanien zur Verfügung, und sie wollten im Januar für eine Woche dort Urlaub machen. Es sollte eine Mischung aus ein wenig Feiern und “die Gegend erkunden” werden.

Ich habe das Angebot angenommen und bin nun seit drei Tagen wieder in Deutschland.

Es war ein sehr anstrengender, aber wirklich schöner Urlaub. Ich wurde in die Gruppe aufgenommen, als wäre ich schon immer dabei gewesen. Und ich denke, es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass wir uns gesehen haben oder gemeinsam etwas, vielleicht sogar wieder Urlaub, unternehmen.